"Lasst uns Särge bauen!"

Lasst uns einen neuen Verein gründen, hieß es im Sommer 2010 in Rotorua, ein Städtchen im Norden Neuseelands. Da schlug die Rentnerin Katie Williams vor: "Lasst uns Särge bauen!" Diese Idee war keine Totgeburt, - inzwischen gibt es rund ein Dutzend Sargbastler-Vereine, sog. "Coffin Clubs" - zu Deutsch: Sargvereine. Der Verein in Rotorua hat inzwischen etwa 100 Mitglieder, - eine ganze Menge für eine Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern.

Hauptsächlich kommen die Leute in einen Sargbastler-Verein, um die Kontrolle darüber zu behalten, was mit ihnen am Ende ihres Lebens gemacht wird. Denn oft fühlten sich Familien vom Bestatter genötigt, viel Geld für irgendeinen Sarg auszugeben, der nichts mit dem Menschen, der darin liegt, zu tun hat. Zudem ist es auch billiger. Denn ein üblicher Sarg kostet in Neuseeland umgerechnet ca. 700 Euro, teure Modelle können 7.000,- Euro und mehr kosten. Für ca. 160 Euro kann man schon selbst einen einfachen Sarg bauen.

Und ist der Sarg fertig, stellen die Sargbauer diesen ins Wohnzimmer, sie legen Kissen drauf und benutzen ihn als Sofa, Couchtisch oder auch als Minibar. Was im ersten Moment makaber wirkt, ist eine Erinnerung an den Tod. Wenn man den Tod als etwas ganz Natürliches und Alltägliches sieht, dann verliert man auch die Angst davor. Das Bauen des eigenen Sarges bringt einen dazu, sich mit dem Leben, Sterben und Tod auseinanderzusetzen.

Quelle: SZ, ARD, NDR (März 2018)


Neuseeland: Sarg Marke Eigenbau



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