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Dawkins Richard: Der Gotteswahn

Der Gotteswahn (englischer Originaltitel The God Delusion) ist ein Buch des britischen Biologen Richard Dawkins. Dawkins legt darin eine umfassende Kritik an theistischer Religion und ihrem Gottesbegriff dar. Im Januar 2007 war das Buch auf der Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times auf Platz 4. In Deutschland war das Buch am Tag nach seiner Erstveröffentlichung in der Amazon-Bestsellerliste auf Platz 3.

Das Buch erschien in der deutschen Übersetzung am 10. September 2007.

Richard Dawkins wurde 1941 in Kenia geboren und gilt als einer der bekanntesten Verfechter der Evolutionstheorie nach Darwinscher Prägung. Von 1970-1995 arbeitete er als Dozent für Zoologie am New College der Universität von Oxford. Seit 1995 bekleidet er die "Charles Simonyi Professor of the Public Understanding of Science" an der Oxford University.

Inhalt

Zu Beginn differenziert Dawkins die Aussagen verschiedener Wissenschaftler zu ihrer religiösen Einstellung. Er zeigt, dass etwa Albert Einstein nicht an einen Gott glaubte, wie oft unterstellt, sondern den Begriff metaphorisch für das von ihm bewunderte Universum gebraucht hat. Im weiteren spricht Dawkins den seines Erachtens grundlosen Respekt an, der in westlichen Gesellschaften der Religion beigemessen wird. Dabei zitiert er H. L. Mencken: „Wir müssen die Religion des Anderen respektieren, aber nur in dem Sinne und dem Maße, wie wir seine Theorie respektieren müssen, dass seine Frau schön ist und seine Kinder klug.“

Anschließend zeigt er auf, dass die USA ursprünglich als säkularer Staat gegründet wurden, obwohl sie heute als der am stärksten religiöse Staat der westlichen Welt gelten. Dies geht laut Dawkins heutzutage häufig bis hin zur Unterdrückung von Atheisten.

Dawkins widerlegt häufig verwendete Argumente für die Existenz eines Gottes, schreibt aber auch, dass es für einen Wissenschaftler unmöglich ist, die Existenz eines „Höheren Wesens“ zu widerlegen, weil es – so Dawkins – generell unmöglich ist, die Existenz eines Wesens zu widerlegen. An dieser Stelle zitiert Dawkins Russells Teekanne und meint, dass es eine Million Dinge gibt, die wir nicht widerlegen können: Zeus, Aphrodite, Amun-Ra, das Fliegende Spaghettimonster.

Dabei grenzt er sich jedoch deutlich von der NOMA-Theorie Stephen Jay Goulds ab, das heißt der Auffassung, dass Wissenschaft und Religion zwei voneinander getrennte Bereiche seien. Vielmehr argumentiert er, dass eine Welt mit einem Gott sich grundlegend von einer Welt ohne Gott unterscheidet. Daher fällt die Frage nach der Existenz irgendwelcher Götter nach Dawkins in den Aufgabenbereich der Wissenschaft.

Ein Kapitel behandelt die Entstehung von Moral. Dawkins schreibt, dass Menschen ihre Moral nicht aus religiösen Schriften ableiten, sondern die Entstehung von Moral ein gesellschaftliches Phänomen sei. Er benutzt hierfür den deutschen Begriff Zeitgeist. So übt Dawkins Kritik an der Bibel, die nicht nur als Grundlage des heutigen menschlichen Handelns und dessen Moral völlig ungeeignet sei, sondern auch – selbst von Christen – gar nicht dafür benutzt werde. Moderne Christen würden nur Ausschnitte aus der Bibel als moralische Grundlage nennen, etwa die Zehn Gebote oder die Bergpredigt, nicht aber z.B. die im Alten Testament ausführlich beschriebenen Völkermorde. Wie aber, so lautet das Argument, entscheidet ein Christ, welche Passagen der Bibel nachahmenswert sind, und welche nicht? Sicher nicht anhand der Bibel selbst, sondern dies könne er nur durch seinen Verstand; die Bibel sei vielmehr eine nachgeschobene Begründung für bereits zuvor gefällte moralische Urteile.

Insgesamt betont Dawkins, dass schon ein „gemäßigter“ Glaube an Übernatürliches dem Fundamentalismus zugute kommt. Er führt aus, dass die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in dieser Form nur möglich gewesen seien (ebenso wie religiös motivierte Anschläge überall sonst auf der Welt), weil die Attentäter wirklich geglaubt hätten, nach ihrem Tod als Märtyrer in ein „Paradies“ zu kommen. Dieser Glaube habe sich aber nur deshalb festigen können, weil die Gesellschaft, in der die Täter aufgewachsen sind, den scheinbar harmlosen Glauben an Gott und an ein Paradies für selbstverständlich hält.

Auch kritisiert Dawkins die staatliche Förderung religiöser Schulen, speziell in Großbritannien, da damit dem Fundamentalismus Vorschub geleistet werde.

Zum Ende thematisiert er die (fehlende) Notwendigkeit des Glaubens. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht notwendig ist, an Gott zu glauben, um glücklich zu sein.

Kritik

Der Oxforder Molekularbiologe und Theologe Alister McGrath, der selbst gläubiger Christ und der Ansicht ist, dass „Gott nicht in dieselbe Kategorie gehört wie wissenschaftliche Objekte“, hat als kritische Antwort auf The God Delusion das Buch The Dawkins Delusion geschrieben.

Dawkins legt in seinem Buch nahe, dass viele Missstände in der Welt - seiner Meinung nach - religiösen, ja theologischen Ursprungs sind:
Stellen wir uns doch [...] eine Welt vor, in der es keine Religion gibt – keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinänsern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung der Juden als ‚Christusmörder‘, keine ‚Probleme‘ in Nordirland [...]“

Einige Kritiker, wie der britische Publizist Kenan Malik ("I don't believe in Richard Dawkins"), weisen dagegen auf die ursprünglich politische, säkulare Natur dieser Konflikte hin, die nur durch politische Entartung in religiösem Gewand daherkommen.

Die Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, hat sich zu dem neuen „Bestseller“ Gedanken gemacht: "Vereinfacht, vergröbert und verschränkt".

theology.de: Im Blick auf die Weltreligionen mangelt es dem Autor mitunter an Differenzierungen und dem Wunsch, biblische und theologische Aussagen wirklich verstehen zu wollen. Auch ist Dawkins nicht immer auf dem aktuellen Stand der Debatten in den ihm doch fremden Wissenschaften wie etwa Philosophie und Theologie.

In Deutschland wurde das Buch teilweise zurückhaltend bis ablehnend besprochen, insbesondere mangelnde religionswissenschaftliche sowieo philosophisch-theologische Kenntnisse werden Dawkins vorgeworfen.

Weblinks

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Sakrileg: Der „Heilige Gral“ Acht Gründe für Religion