"Du sollst ehebrechen" steht in der Bibel?

Die Frage verblüfft, denn das sechste Gebot gehört zu den moralischen Regeln, die Moses dem Volk der Israeliten vom Berg Sinai mitbrachte (Exodus 20, 14). Und das verbietet unmissverständlich den außerehelichen Geschlechtsverkehr. Es gilt: Du sollst nicht ehebrechen!

Und trotzdem gibt es zwei Bibelausgaben, in denen das Wörtchen "nicht" ausgelassen wurde!

Wicked Bible
Anno domini 1631 druckten die königliche Druckerei von Robert Barker und Martin Lucas in England tausendfach den Satz: "Thou shalt commit adultery". Die Bibel wurden ausgeliefert und verkauft. Erst im darauffolgenden Jahr entdeckt man den Druckfehler. Die Aufregung war groß und die beiden Drucker kamen vor Gericht. Sie wurden zu einer Strafe von 300 Pfund verurteilt (das entspricht nach heutiger Kaufkraft etwa 50.000 Euro) und verloren ihre Drucklizenz. Dann versuchte man, möglichst viele dieser Bibelausgaben einzusammeln und zu verbrennen. Aber ca. zehn sind bis heute erhalten und erzielen auf Auktionen Preise im fünfstelligen Bereich. Nicht schlecht für einen eigentlichen Fehldruck.

Canstein-Bibel
100 Jahre später geschah es in Halle an der Saale. In dem beschaulichen Ort wurde die sogenannten Canstein-Bibeln gedruckt. Das waren preiswerte Bibelausgaben für die Massen. Und in der Ausgabe von 1731 steht tatsächlich: "Du solt ehebrechen". Auch diese Bibeln wurden wieder eingesammelt und eingestampft. Aber auch hier überlebten einige. Unter anderem eine Bibel in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, dessen entsprechende Seite äußerst abgegriffen sein soll.

So gibt es also wirklich Bibelausgaben mit der verhängnisvollen Aufforderung. Wir fragen uns: Kann es wirklich Zufall sein, dass gleich zwei Drucksetzer an genau derselben Stelle einen Flüchtigkeitsfehler gemacht haben? Oder war es etwa ein absichtsvoll frivoles Werk des Druckfehlerteufels? Wir werden es wohl nie erfahren.

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