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Külling, H.: Vom Gericht zur Gnade

Von den allermeisten Kanzeln in Deutschland hört man so gut wie sonntäglich die Botschaft von der Liebe Gottes und dem menschenfreundlichen und Menschen aufrichtenden Jesus, so gut wie nie jedoch auch nur einen Ton von Gottes gegenwärtigem oder zukünftigen Gericht. Diese Studie des Schweizer Autors mehrerer biblisch-theologischer Bücher (Külling war vier Jahrzehnte Pfarrer in Hundwil) untersucht die wichtigen einschlägigen neutestamentlichen Gerichts-Stellen (siehe Untertitel).

Was schon beim Propheten Jesaja anklang, wird von Mark 10,45 aufgenommen und von Paulus bestätigt: die Rettung vieler meint biblisch „alle“ (siehe S. 86 und 102). In der Schlussbetrachtung (S. 141-145) sagt der Verfasser deshalb von der Geschichte der Menschheit: „...angefüllt von Verfehlungen, Irrtümern, Bosheiten und Leiden. Aber sie ist begleitet durch die göttliche Gnade, die wegen ihrer überragenden Kraft niemanden von der Errettung und Versöhnung ausschliesst.“ (S. 142f)

Mein Urteil ist gemischt: Einerseits der imposante neutestamentliche Durchgang; jedoch verweist Külling nur auf ältere Standardliteratur (siehe sein Verzeichnis S.149-151). Und der Durchgang ist nicht ganz vollständig. Im übrigen fehlt der alttestamentliche Grund. Offen bleibt also die gesamtbiblische Betrachtung. In seiner Schlussbetrachtung betritt er außerdem dogmatisches Gelände, nennt aber nicht die breite Tradition mit den Stichworten Allversöhnung und Apokatastasis. Kurzes Schlussfazit: es bleibt viel zu tun. (gm)


Heinz Külling
Vom Gericht zur Gnade
Zur Errettung der vielen oder aller im Lukas- und Matthäusevangelium, im 1. Petrusbrief, in der Offenbarung und bei Paulus

Taschenbuch
156 Seiten
ISBN-10 : 3290183564
ISBN-13 : 978-3290183561
32,90 Euro

Theologischer Verlag Zürich

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