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Meyer-Blanck: Das Gebet

Beten, also das menschliche Reden mit Gott, ist ein uraltes Thema. Und es hat sogar eine kreatürliche Weite und Tiefe! Der Heidelberger Praktische Theologe Rudolf Bohren (1920-2010) schrieb einmal einen kurzen Aufsatz zum Gebet mit dem unvergesslichen Titel „Das Tier und der Heide beten mit“. Wohl mit deshalb gibt es auch ungeheuer viele Bücher zu beten, Gebet. Interessanterweise erschien außer dem hier anzuzeigenden Buch parallel das Jahrbuch für Biblische Theologie zum Thema beten.

Der Verfasser (abgekürzt M.-B.) dieses Buches ist seit 1997 Professor für Praktische Theologie in Bonn.

In insgesamt 40 Paragraphen traktiert M.-B. beten sehr weit gespannt. Nach dem einleitenden ersten Kapitel („Prolegomena“) geht es im zweiten Kapitel um „Die Vielfalt evangelischer Gebetspraxis“, im dritten um „Historische Vergewisserungen“, im vierten um die „Evangelische Lehre vom Gebet“, im fünften um „Die Praxis evangelischen Betens“.

Die folgenden sieben Bemerkungen möchte ich machen:

- Zum Nachschlagen sehr hilfreich sind die Register (Bibelstellen, Gesangbuchlieder, Personen und Sachen).

- Berechtigterweise sind die beiden Teile zur Lehre vom Gebet und zu seiner Praxis mit jeweils circa 100 Seiten am umfangreichsten.

- Die Psalmen werden in § 21 zwar als „Gebetbuch der Kirche“ und als „Gebetbuch Jesu“ gewürdigt. Aber die Psalmen sind doch zuerst das Gebetbuch Israels und des Judentums. Und mit nicht einmal zehn Seiten ist die Bedeutung des Psalters nicht mehr als angetippt.

- Eine der klassischen neutestamentlichen Stellen zum Gemeinde- und Gebetsleben ist Apg 2,42; M.-B. erwähnt sie jedoch nur einziges Mal im Abschnitt „Ethos und Identität“. Und zu meiner Verwunderung taucht das Thema Gebetsgemeinschaft nur im Zusammenhang des Internets auf.

- Unverständlicherweise endet der geschichtliche Rückblick im 19.Jahrhundert. So werden zum Beispiel die Gebetserfahrungen Dietrich Bonhoeffers nicht eingeholt (dieser wird nur zweimal im Vorbeigehen erwähnt).

- § 40 handelt zwar vom multireligiösen Beten; jedoch werden die Schätze der orthodoxen oder katholischen Gebetstraditionen leider nicht fruchtbar gemacht.

- Trotz dieser wenigen kritischen Bemerkungen muss man abschließend feststellen, dass M.-B. mit diesem zwar nicht ganz billigen Buch ein großer Wurf gelungen ist, der viele neue Aspekte eröffnet. (gm)


Michael Meyer-Blanck
Das Gebet
2019. XVI, 435 Seiten.
44,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-154554-2

MOHR

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Kirsten, P.: Sieh dir das an! Plisch, U.K.: Was nicht in der Bibel steht