Böschemeyer, Uwe: Und wenn Gott wäre …

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Böschemeyer, Uwe: Und wenn Gott wäre …

Was trägt ein Leben wirklich? Diese Frage stellt sich nicht nur in Krisenzeiten. Sie meldet sich auch dann, wenn äußerlich vieles gelingt und doch innerlich etwas offenbleibt. Erfolg, Gesundheit, Selbstbestimmung und Sicherheit können wichtig sein – aber sie beantworten nicht von selbst die Frage nach Sinn, Tiefe und letztem Halt. Gerade dort beginnt die religiöse Suche.

Uwe Böschemeyer geht in „Und wenn Gott wäre … Über Sinn, Zweifel und das Wagnis, sich auf die Suche nach Gott einzulassen“ dieser Suche nach. Er schreibt nicht im Ton dogmatischer Gewissheit und auch nicht als jemand, der Zweifel schnell beiseiteschiebt. Vielmehr nimmt er die Frage nach Gott als existentielle Frage ernst: Was wäre, wenn Gott nicht nur eine religiöse Idee, sondern der tragende Grund des Lebens wäre?

Das Buch spricht Menschen an, die sich mit vorschnellen Antworten schwertun. Es geht um Sinn, Zweifel, Sehnsucht, Vertrauen und um das Wagnis, die Gottesfrage nicht zu früh abzuschließen. Gerade darin liegt seine Stärke. Böschemeyer argumentiert nicht abstrakt über Gott, sondern fragt vom Leben her. Er weiß um Grenzerfahrungen, um innere Leere, um das Bedürfnis nach einem „Mehr“, das sich nicht einfach durch Leistung, Ablenkung oder Selbstoptimierung stillen lässt.

Als Psychotherapeut und Schüler Viktor E. Frankls bringt Böschemeyer einen besonderen Zugang mit. Die Frage nach Sinn ist für ihn keine Nebensache, sondern eine Lebensfrage. Menschen können vieles aushalten, wenn sie wissen oder ahnen, wofür sie leben. Doch Sinn lässt sich nicht erzwingen. Er will entdeckt, empfangen, manchmal auch erlitten und neu gesucht werden. In diesem Horizont wird die Frage nach Gott nicht als Fremdkörper eingeführt, sondern als eine Möglichkeit, das Leben tiefer zu verstehen.

Wohltuend ist der persönliche und zugleich behutsame Ton. Das Buch will nicht überreden. Es lädt ein. Es lässt Raum für Menschen, die glauben möchten und doch nicht können, die zweifeln und dennoch suchen, die religiöse Sprache verloren haben und sie vielleicht neu entdecken wollen. Der bekannte Satz von Julian Barnes, er glaube nicht an Gott, vermisse ihn aber, beschreibt diese Zwischenlage treffend. Böschemeyers Buch bewegt sich genau in diesem Raum zwischen Sehnsucht, Skepsis und Hoffnung.

Dabei entfaltet der Autor Aspekte des christlichen Glaubens nicht als fertiges System, sondern als Lebensdeutung. Gott wird nicht bewiesen wie ein Gegenstand, sondern als tragender Grund, als Gegenüber, als Quelle von Sinn und Vertrauen ins Gespräch gebracht. Das ist kein Ausweichen vor kritischem Denken, sondern eine andere Art des Fragens. Denn die entscheidenden Fragen des Lebens – Liebe, Tod, Schuld, Hoffnung, Sinn – lassen sich nicht allein technisch oder empirisch beantworten.

Für theology.de ist dieser Band besonders interessant, weil er eine Brücke schlägt zwischen Psychotherapie, Sinnsuche und Glaubensfrage. Viele Menschen unserer Zeit sind religiös nicht mehr selbstverständlich beheimatet, aber existentiell offen. Sie spüren, dass das Leben mehr sein könnte als Funktionieren, Konsumieren und Durchhalten. Böschemeyer nimmt diese Offenheit ernst, ohne sie kirchlich zu vereinnahmen. Er schreibt für Suchende, Zweifelnde und Glaubende gleichermaßen.

Das Buch ist schmal, aber nicht oberflächlich. Seine Kürze tut ihm gut. Es eignet sich für Menschen, die keinen theologischen Fachtext suchen, sondern einen nachdenklichen Begleiter. Die Sprache bleibt zugänglich, persönlich und konzentriert. Man kann das Buch in einem Zug lesen – und doch laden viele Gedanken dazu ein, länger bei ihnen zu verweilen.

So ist „Und wenn Gott wäre …“ ein stilles, ernsthaftes und ermutigendes Buch über die Gottesfrage. Es erinnert daran, dass Zweifel kein Feind des Glaubens sein muss. Manchmal ist er der Ort, an dem die Suche beginnt. Und vielleicht ist schon die Frage „Und wenn Gott wäre …?“ ein erster Schritt heraus aus der Gleichgültigkeit – hin zu einer Hoffnung, die dem Leben Tiefe gibt.

Uwe Böschemeyer
Und wenn Gott wäre …
Über Sinn, Zweifel und das Wagnis, sich auf die Suche nach Gott einzulassen

128 S.
978-3-7022-4356-2
20,00 €

Tyrolia Verlag

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