Drube, Julia / Kammeyer, Katharina: Haltungen in religiösen Bildungsprozessen

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Drube, Julia / Kammeyer, Katharina: Haltungen in religiösen Bildungsprozessen

Religiöse Bildung lebt nicht allein von Inhalten, Methoden und Kompetenzen. Sie lebt von Haltungen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene spüren sehr genau, ob sie im Lernen ernst genommen werden, ob ihre Fragen Raum haben, ob Zweifel erlaubt sind und ob das Gespräch über Gott von Respekt getragen ist. Wertschätzung, Achtsamkeit und Dankbarkeit sind deshalb keine pädagogischen Nebentugenden. Sie prägen, ob religiöse Bildungsprozesse gelingen.

Die von Julia Drube und Katharina Kammeyer herausgegebene Festschrift „Haltungen in religiösen Bildungsprozessen“ würdigt zum 60. Geburtstag von Professorin Dr. Petra Freudenberger-Lötz ein religionspädagogisches Wirken, das weit über die von ihr wesentlich geprägte Kindertheologie hinausreicht. Der Band nimmt dabei nicht nur eine Person in den Blick, sondern ein Grundanliegen: Wie können religiöse Bildungsräume so gestaltet werden, dass Menschen sich mit ihren Fragen, Erfahrungen und Deutungen wirklich beteiligen können?

Das Thema passt gut zu Petra Freudenberger-Lötz. Ihre Arbeit steht für eine Religionspädagogik, die Kinder nicht als bloße Empfängerinnen und Empfänger religiöser Belehrung versteht. Kinder denken theologisch. Sie fragen nach Gott, nach Tod und Leben, nach Gerechtigkeit, Schöpfung, Schuld, Trost und Hoffnung. Wer ihnen zuhört, entdeckt nicht nur kindliche Unmittelbarkeit, sondern eigenständige religiöse Deutungskraft.

Der Band macht deutlich, dass solche Lernprozesse eine bestimmte Haltung der Lehrenden voraussetzen. Wertschätzung bedeutet mehr, als freundlich zu sein. Sie heißt, die Gedanken der Lernenden ernst zu nehmen, auch wenn sie unfertig, überraschend oder irritierend sind. Achtsamkeit meint nicht bloß eine ruhige Atmosphäre, sondern eine wache Wahrnehmung dafür, was im Gespräch geschieht. Dankbarkeit schließlich öffnet den Blick für das, was im gemeinsamen Lernen geschenkt wird: Einsichten, Vertrauen, Resonanz, manchmal auch eine neue Frage.

Gerade in der Religionspädagogik sind diese Haltungen entscheidend. Denn religiöse Bildung berührt persönliche Überzeugungen, biografische Erfahrungen und existentielle Themen. Wer über Gott spricht, spricht nie nur über einen Unterrichtsgegenstand. Es geht um Sinn, Vertrauen, Verletzlichkeit, Orientierung und Hoffnung. Darum braucht religiöse Bildung eine Kultur des Gesprächs, in der Menschen nicht festgelegt, sondern begleitet werden.

Die Festschrift vereint Beiträge aus Theologie, Pädagogik und Praxis. Diese Verbindung ist wichtig. Haltungen lassen sich nicht nur theoretisch beschreiben. Sie müssen sich in konkreten Lernräumen bewähren: im Religionsunterricht, in der Gemeindepädagogik, in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, in Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen, in der Forschung und in der didaktischen Reflexion. Gute Religionspädagogik braucht beides: konzeptionelle Klarheit und Sensibilität für die Situation.

Besonders wertvoll ist, dass der Band das Wirkungsfeld Freudenberger-Lötz’ nicht auf die Kindertheologie verengt. Diese bleibt ein wichtiger Bezugspunkt, aber sie steht in einem weiteren Zusammenhang. Es geht um religiöse Bildungsprozesse insgesamt: um die Rolle der Lehrperson, um dialogisches Lernen, um theologische Gesprächsfähigkeit, um die Würde der Lernenden und um eine Didaktik, die nicht vorschnell Antworten liefert, sondern Suchbewegungen ermöglicht.

Für Lehrkräfte und religionspädagogisch Tätige dürfte der Band viele Anregungen bieten. Er erinnert daran, dass Unterricht nicht nur durch gute Planung gelingt. Entscheidend ist auch, wie Lehrende präsent sind: ob sie zuhören können, ob sie Irritationen aushalten, ob sie Fragen nicht zu schnell schließen, ob sie Vertrauen in die Deutungsfähigkeit der Lernenden haben. Eine solche Haltung ist anspruchsvoll. Sie entsteht nicht durch Technik, sondern durch pädagogische und theologische Selbstbildung.

Auch für Kirche und Gemeinde ist das Thema bedeutsam. Religiöse Bildung findet nicht nur in der Schule statt. Sie geschieht in Familien, Kindergruppen, Konfi-Arbeit, Gottesdiensten, Erwachsenenbildung und seelsorgerlichen Gesprächen. Überall dort stellt sich die Frage, ob Menschen Räume finden, in denen ihr Glaube wachsen, sich verändern, fragen und reifen darf. Haltungen entscheiden mit darüber, ob solche Räume entstehen.

Die Festschrift ist damit mehr als eine akademische Würdigung. Sie ist auch eine Einladung, religionspädagogische Praxis neu zu prüfen. Wie sprechen wir mit Kindern über Gott? Wie begegnen wir Jugendlichen, die Kirche distanziert sehen? Wie gehen wir mit religiöser Vielfalt um? Und welche Haltung prägt uns selbst, wenn wir lehren, begleiten oder forschen?

So ist „Haltungen in religiösen Bildungsprozessen“ ein würdiger und anregender Band zum 60. Geburtstag von Petra Freudenberger-Lötz. Er macht sichtbar, dass religiöse Bildung dort lebendig wird, wo Menschen einander aufmerksam begegnen. Wertschätzung, Achtsamkeit und Dankbarkeit sind dabei nicht Schmuckworte einer freundlichen Pädagogik. Sie gehören zum Kern einer Bildung, die Menschen vor Gott ernst nimmt.

Julia Drube / Katharina Kammeyer, Hg.
Haltungen in religiösen Bildungsprozessen
Festschrift zum 60. Geburtstag von Professorin Dr. Petra Freudenberger-Lötz

ca. 332 S.
978-3-7668-4783-6
32,00 €

Calwer Verlag

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