Gertz, Jan Christian / Schmid, Konrad: Theologie der Zukunft

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Gertz, Jan Christian / Schmid, Konrad: Theologie der Zukunft

Was hat die Theologie zur Zukunft zu sagen? Und wie wird die Theologie der Zukunft selbst aussehen? Schon diese doppelte Frage macht deutlich: Es geht nicht nur um Prognosen, Trends oder kirchliche Strategien. Es geht um das Zentrum theologischen Denkens. Denn christlicher Glaube lebt aus Verheißung, Hoffnung und Erwartung – und muss zugleich in einer Gegenwart sprachfähig bleiben, die von Krisen, Umbrüchen und Unsicherheiten geprägt ist.

Der von Jan Christian Gertz und Konrad Schmid herausgegebene Band „Theologie der Zukunft“ dokumentiert den XVIII. Europäischen Kongress für Theologie, der vom 8. bis 11. September 2024 in Heidelberg stattfand. Der Titel ist programmatisch und bewusst mehrdeutig. Er fragt einerseits nach Zukunft als Thema der Theologie: nach Eschatologie, Hoffnung, Gericht, Vollendung, Zeitdeutung und Verantwortung. Andererseits geht es um die Zukunft der Theologie selbst: um ihre Methoden, ihre gesellschaftliche Relevanz, ihre ökumenische und interdisziplinäre Anschlussfähigkeit sowie ihre öffentliche Sprachfähigkeit.

Die großen Gegenwartsfragen sind unübersehbar. Klimawandel, Krieg, Pandemieerfahrungen, gesellschaftliche Polarisierung, religiöse Umbrüche und die Unsicherheit politischer wie kultureller Ordnungen fordern auch die Theologie heraus. Christliche Zukunftsrede kann angesichts dieser Wirklichkeit nicht bloß fromme Vertröstung sein. Sie muss sagen können, was Hoffnung bedeutet, wenn Menschen Angst haben. Sie muss nach Verantwortung fragen, wenn Zukunft bedroht erscheint. Und sie muss unterscheiden lernen zwischen billiger Zuversicht, apokalyptischer Panik und begründeter christlicher Hoffnung.

Als Kongressband bietet „Theologie der Zukunft“ kein schmales Einzelargument, sondern ein breites theologisches Panorama. Unterschiedliche Disziplinen kommen ins Gespräch: Bibelwissenschaft, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie, Ethik und Religionswissenschaft. Gerade diese Vielfalt macht deutlich, dass Zukunft nicht nur ein Spezialthema der Eschatologie ist. Sie betrifft das Ganze der Theologie. Wie biblische Texte gelesen werden, wie Kirche ihre Aufgabe versteht, wie Ethik Verantwortung begründet und wie von Gott in der Zeit gesprochen wird – all das hat mit Zukunft zu tun.

Besonders wertvoll ist die Grundbewegung des Bandes: Zukunft wird nicht als bloßer Trendbegriff behandelt. Theologie soll nicht einfach gesellschaftliche Entwicklungen kommentieren oder kirchliche Strategiepapiere mit religiöser Sprache begleiten. Sie hat einen eigenen Beitrag zu leisten. Sie fragt nach Gottes Zukunft, nach menschlicher Verantwortung, nach Hoffnung jenseits des Machbaren und nach der kritischen Kraft biblischer Verheißungen. Gerade darin liegt ihre öffentliche Bedeutung.

Wohltuend ist, dass der Band Zukunft nicht optimistisch glättet. Christliche Hoffnung ist nicht dasselbe wie Fortschrittsglaube. Sie weiß um Schuld, Scheitern, Gericht und die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten. Zugleich widerspricht sie dem Fatalismus. Sie hält daran fest, dass Gegenwart nicht im Bestehenden aufgeht und dass Menschen nicht auf Angst, Krise oder Resignation festgelegt sind. Theologisch gesprochen: Zukunft ist mehr als die Verlängerung der Gegenwart. Sie steht im Horizont Gottes.

Für theology.de ist dieser Band auch deshalb interessant, weil er die Frage nach der Zukunft von Kirche und Theologie nicht auf Strukturreformen reduziert. Natürlich stehen Kirchen vor massiven Veränderungen. Doch tiefer liegt die Frage, was sie zu sagen haben, wenn Menschen Orientierung suchen. Eine Theologie der Zukunft muss nicht zuerst wissen, welche kirchlichen Formen überleben. Sie muss fragen, wie das Evangelium unter veränderten Bedingungen als Hoffnung, Trost, Kritik und Verheißung zur Sprache kommt.

Der Band verlangt konzentrierte Lektüre. Er ist ein wissenschaftlicher Sammelband und kein leichtes Lesebuch für zwischendurch. Doch wer sich auf seine Breite einlässt, gewinnt einen Eindruck davon, wie vielfältig gegenwärtige evangelische Theologie auf Zukunftsfragen reagiert. Gerade die unterschiedlichen Perspektiven machen deutlich: Zukunft ist kein fertiges Programm, sondern ein theologischer Denkraum.

So ist „Theologie der Zukunft“ ein gewichtiger Beitrag zur Selbstverständigung der Theologie in krisenhafter Zeit. Der Band erinnert daran: Theologie hat Zukunft nicht einfach zu berechnen, sondern von Gottes Zukunft her zu denken. Und gerade darin kann sie helfen, Gegenwart nüchtern wahrzunehmen, Hoffnung verantwortlich zu formulieren und Kirche wie Gesellschaft zur Wachheit, Umkehr und Zuversicht zu ermutigen.

Jan Christian Gertz / Konrad Schmid
Theologie der Zukunft
XVIII. Europäischer Kongress für Theologie
8.–11. September 2024 in Heidelberg
Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (VWGTh), Band 80

580 S.
978-3-374-08064-9
148,00 €

Evangelische Verlagsanstalt

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