Kauder, Volker / Petri, Dennis P. / Polanz, Carsten: Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels

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Kauder, Volker / Petri, Dennis P. / Polanz, Carsten: Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels

Religionsfreiheit gehört zu den Grundrechten, die leicht selbstverständlich erscheinen – solange sie nicht bedroht sind. Doch weltweit zeigt sich: Der freie Glaube, der freie Zweifel, der freie Wechsel einer religiösen Überzeugung und das öffentliche Leben religiöser Gemeinschaften stehen vielerorts unter Druck. Autoritäre Systeme, religiöser Nationalismus, gesellschaftliche Polarisierung, Diskriminierung von Minderheiten und kulturelle Umbrüche verändern die Bedingungen, unter denen Menschen ihren Glauben leben können.

Der von Volker Kauder, Dennis P. Petri und Carsten Polanz herausgegebene Band „Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels / Religious Freedom in a Changing World“ nimmt diese Entwicklungen differenziert in den Blick. Schon der zweisprachige Titel signalisiert die internationale Weite des Themas. Religionsfreiheit wird nicht nur als deutsches oder europäisches Problem behandelt, sondern als globale Herausforderung, die Politik, Recht, Theologie, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften gleichermaßen betrifft.

Im Mittelpunkt stehen normative Grundlagen, globale Realitäten und neue Herausforderungen. Damit verbindet der Band mehrere Ebenen: Er fragt nach der Begründung der Religionsfreiheit als Menschenrecht, nach ihrer rechtlichen und politischen Bedeutung, nach konkreten Gefährdungen in unterschiedlichen Weltregionen und nach den Veränderungen, die durch gesellschaftliche, religiöse und geopolitische Dynamiken entstehen. So entsteht ein breiter Zugang zu einem Thema, das häufig entweder juristisch enggeführt oder nur anhand einzelner Verfolgungssituationen wahrgenommen wird.

Besonders wichtig ist die Grundunterscheidung: Religionsfreiheit ist kein Sonderrecht für religiöse Menschen und auch kein Privileg bestimmter Glaubensgemeinschaften. Sie schützt die Freiheit des Gewissens, des Glaubens, des Nicht-Glaubens, des religiösen Wechsels und der öffentlichen religiösen Praxis. Damit betrifft sie Christinnen und Christen ebenso wie Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Angehörige anderer Religionen und Weltanschauungen sowie Menschen ohne religiöse Bindung. Wer Religionsfreiheit verteidigt, verteidigt einen zentralen Bestandteil menschlicher Würde.

Der Band macht deutlich, dass Religionsfreiheit heute von sehr unterschiedlichen Seiten bedrängt wird. In manchen Kontexten sind es staatliche Repression, Überwachung und autoritäre Kontrolle. In anderen entstehen Gefährdungen durch religiösen Nationalismus, gesellschaftliche Mehrheitskulturen, extremistische Bewegungen oder subtile Formen der Benachteiligung. Hinzu kommen neue Fragen: Wie verändert Digitalisierung die Kontrolle religiöser Minderheiten? Wie wirken sich Migrationsbewegungen auf religiöse Vielfalt aus? Und wie kann Religionsfreiheit in Gesellschaften geschützt werden, die zunehmend polarisiert sind?

Für theology.de ist dieser Band besonders interessant, weil er theologische Verantwortung und menschenrechtliche Perspektive zusammenführt. Religionsfreiheit ist für Christinnen und Christen nicht nur dort wichtig, wo Christen selbst bedroht sind. Ihre Glaubwürdigkeit zeigt sich gerade darin, dass sie auch für die Freiheit anderer eintreten. Christlicher Einsatz für Religionsfreiheit darf deshalb nicht konfessionalistisch eng werden. Er muss universal gedacht werden – aus der Überzeugung heraus, dass Würde, Gewissen und Glaube nicht erzwungen werden können.

Wohltuend ist, dass der Band weder alarmistisch noch naiv wirkt. Er nimmt reale Bedrohungen ernst, ohne sie plakativ auszuschlachten. Er benennt Konflikte, ohne einfache Feindbilder zu bedienen. Und er zeigt, dass Religionsfreiheit nicht allein Sache von Staaten, Gerichten oder internationalen Organisationen ist. Auch Kirchen, Religionsgemeinschaften, Wissenschaft, Medien, Bildungsarbeit und Zivilgesellschaft tragen Verantwortung dafür, dass dieses Recht verstanden, geschützt und gelebt wird.

Gerade die internationale Perspektive erweitert den Blick. Wer in Deutschland über Religionsfreiheit spricht, denkt oft an Fragen religiöser Symbole, kirchlicher Selbstbestimmung, Bildung, Neutralität des Staates oder pluraler Öffentlichkeit. Weltweit aber stehen vielerorts existenziellere Fragen im Raum: Dürfen Menschen ihren Glauben öffentlich bekennen? Dürfen sie ihre Religion wechseln? Dürfen Gemeinden sich versammeln? Dürfen Minderheiten ohne Angst leben? Der Band hilft, diese unterschiedlichen Ebenen zusammenzudenken.

Für Theologinnen und Theologen, kirchlich Verantwortliche, Menschenrechtsengagierte, politisch Interessierte und alle, die sich mit weltweiter Christenverfolgung, religiöser Vielfalt, Demokratie und Menschenrechten befassen, ist „Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels“ eine wichtige Ressource. Er bietet keine schnelle Lektüre für nebenbei, wohl aber eine fundierte Orientierung in einem Themenfeld, das in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird.

So ist dieser Band ein gewichtiger und notwendiger Beitrag zur aktuellen Debatte. Er erinnert daran, dass Religionsfreiheit mehr ist als ein juristischer Begriff. Sie ist ein Gradmesser dafür, wie ernst Gesellschaften die Freiheit des Menschen nehmen – und wie bereit sie sind, auch die Überzeugungen anderer zu achten.

Volker Kauder / Dennis P. Petri / Carsten Polanz
unter Mitarbeit von David Giesbrecht
Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels
Normative Grundlagen, globale Realitäten und aufkommende Herausforderungen

300 S.
978-3-374-08047-2
39,00 €

Evangelische Verlagsanstalt

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