Krüger, Malte Dominik / Schlenke, Dorothee: Kinder Gottes

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Krüger, Malte Dominik / Schlenke, Dorothee: Kinder Gottes

Kinder sind nicht nur „die Zukunft“. Sie sind Gegenwart. Sie sind Menschen mit eigener Würde, eigener Wahrnehmung, eigener Glaubensfähigkeit und eigenen Fragen. Wer theologisch über Kinder spricht, spricht deshalb nicht über ein Randthema, sondern über Grundfragen christlichen Glaubens: Was heißt es, Mensch zu sein? Was bedeutet es, empfangend zu leben? Und wie ist das biblische Wort von der Gotteskindschaft zu verstehen?

Der von Malte Dominik Krüger und Dorothee Schlenke herausgegebene Band „Kinder Gottes. Kindheit theologisch denken“ widmet sich diesen Fragen in interdisziplinärer Perspektive. Schon der Titel ist vielschichtig. „Kinder Gottes“ meint einerseits die biblisch-theologische Rede von der Gotteskindschaft. Andererseits verweist er auf konkrete Kinder, auf Kindsein und Kindheit als biologische, soziale, kulturelle und religiöse Wirklichkeit.

Das Buch nimmt Kindheit nicht nur als pädagogisches oder entwicklungspsychologisches Thema wahr, sondern denkt sie theologisch. Dabei geraten zentrale Fragen in den Blick: Wie beginnt Glaube? Welche Bedeutung haben Taufe, Familie, Gemeinde, Schule und Kirche für die religiöse Entwicklung von Kindern? Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Kinder nicht nur betreut, sondern ernst genommen werden? Und was sagt der Umgang mit Kindern über das Gottes- und Menschenbild einer Kirche aus?

Besonders wichtig ist der kritische Blick auf die Art, wie Erwachsene über Kinder sprechen. Kinder werden leicht zu Projektionsflächen: für Sehnsucht nach Unschuld, für pädagogische Programme, für kirchliche Zukunftshoffnungen oder für gesellschaftliche Erwartungen. Eine Theologie der Kindheit muss dem widerstehen. Kinder sind keine Symbole, die Erwachsene nach Belieben deuten können. Sie sind Subjekte – mit eigener Stimme, eigener Erfahrung und eigener Verletzlichkeit.

Gerade darin liegt die Stärke des Bandes. Er verbindet systematisch-theologische, praktisch-theologische, religionspädagogische und humanwissenschaftliche Perspektiven. Dadurch entsteht ein weiter Denkraum. Die Rede von der Gotteskindschaft wird nicht von konkreten Kindern getrennt. Und konkrete Kindheit wird nicht ohne ihre theologischen Tiefendimensionen betrachtet. So kommen Grundfragen des Glaubens neu zur Sprache: Abhängigkeit und Vertrauen, Schutz und Freiheit, Wachstum und Begrenzung, Würde und Beziehung.

Wohltuend ist, dass Kindheit nicht romantisiert wird. Kinder leben nicht in einem unberührten Raum ursprünglicher Reinheit. Sie leben in Beziehungen, Abhängigkeiten, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Bedingungen. Sie brauchen Schutz, Anerkennung und Räume, in denen sie wachsen können. Gerade deshalb ist eine Theologie der Kindheit auch eine kritische Aufgabe. Sie fragt, wie Kinder in Kirche, Familie, Bildung und Gesellschaft tatsächlich gesehen werden – und ob sie dort nur Objekt von Fürsorge oder wirklich Subjekt eigener Erfahrung sind.

Für theology.de ist dieser Band besonders interessant, weil er die Frage nach Kindern nicht nur auf kirchliche Nachwuchsarbeit reduziert. Eine Kirche, die Kinder lediglich als „Zukunft der Gemeinde“ betrachtet, greift zu kurz. Kinder gehören jetzt schon zur Gemeinschaft der Glaubenden. Sie sind nicht erst wichtig, wenn sie später Mitglieder, Mitarbeitende oder Erwachsene werden. Eine kindheitssensible Theologie verändert deshalb auch den Blick auf Gottesdienst, Taufe, Religionsunterricht, Familienarbeit, Seelsorge und Gemeindeleben.

Der Band ist kein Praxisbuch mit einfachen Methodenbausteinen. Er bietet vielmehr theologische Grundlagenarbeit. Doch gerade diese Grundlagen haben praktische Folgen. Wer Kinder theologisch ernst nimmt, wird anders predigen, anders unterrichten, anders taufen, anders segnen und anders Gemeinde gestalten. Denn dann geht es nicht darum, Kindern fertige religiöse Antworten überzustülpen, sondern ihnen Räume zu eröffnen, in denen Vertrauen, Fragen, Staunen und Glauben wachsen können.

So ist „Kinder Gottes“ ein wichtiger Beitrag zu einer Theologie, die beim Menschsein nicht erst mit dem erwachsenen, mündigen, leistungsfähigen Subjekt beginnt. Der Band erinnert daran, dass christlicher Glaube vom Empfangen lebt. Vielleicht können Kinder gerade darin zu theologischen Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern werden: nicht, weil sie idealisiert werden müssten, sondern weil sie sichtbar machen, dass Leben nicht verdient, sondern geschenkt ist.

Malte Dominik Krüger / Dorothee Schlenke, Hrsg.
Kinder Gottes
Kindheit theologisch denken

246 S.
978-3-374-08080-9
48,00 €

Evangelische Verlagsanstalt Leipzig

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