Marburger, Julia E.: Herstellungsprozesse des Selbst von Jugendlichen in der Postdigitalität

Sie sind hier: Kirche & Theologie im Web » Service » Bücher » BUCHEMPFEHLUNGEN

Marburger, Julia E.: Herstellungsprozesse des Selbst von Jugendlichen in der Postdigitalität

Mit drei Schlaglichtern möchte ich meinen Hinweis auf diese mMn sehr sehr wichtige Dissertation beginnen:

- Politisch unternahmen Australien und Frankreich in diesem Jahr (2026) zwei erfolglose Versuche, die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen einzuschränken. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.

- In der Süddeutschen Zeitung vom 13.8.21026 begann der Artikel „Verloren im digitalen Niemandsland“ mit dem Satz „Die Welt wird immer digitaler…“ Zu diesen zwei ersten Schlaglichtern: Marburgers (abgekürzt M.) Dissertation setzt die digitale Welt als gegeben voraus und hinterfragt sie nicht. Symptomatisch dafür ist die Überschrift auf S. 186: „Das multifunktionale Smartphone: Die Tür zur digitalen Welt“.

- Silke Müller (siehe https://silkemueller.com/vita/; von ihr scheint M. jedoch laut ihrem zwanzigseitigen, eng bedruckten „Literaturverzeichnis“ keine Kenntnis zu haben) folgend müssen Eltern und Lehrer*innen „erkennen, dass wir unsere Kinder verlieren, wenn wir sie in diesen [digitalen] Welten fahrlässig allein und unbeschützt lassen.“ (in: Wir verlieren unsere Kinder … München 2023, S. 10) Das Thema Kinderschutz spielt bei M . leider überhaupt keine Rolle. Sie hat nur die gelungene und gelingende Digitalität im Blick.M. beginnt mit drei gegenwartskulturellen, sehr realen Beobachtungen, die die Allgegenwart und Bedeutung von Smartphones unterstreicht: „auf dem Schulhof, auf Tiktok, im Museum“. Alles folgende versuche ich mit folgenden (zu) wenigen Zeilen zusammenzufassen.

Ausgehend von den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz zur Bildung in der digitalen Welt, stellt M. die Frage, was digitale Souveränität im Kontext jugendlicher Lebenswelten bedeutet. Ihre Grundlage ist ein qualitativ-empirisches Forschungsdesign, in dessen Rahmen Gruppendiskussionen an Gesamtschulen in Hessen sowie an einem Gymnasium durchgeführt wurden. Auf S. 306 liest man summierend diesen Absatz: „Auch in der Postdigitalität ist ein herausgehobenes Moment für die Herstellungsprozesse des Selbst das ´in Kontakt sein´. Digitale Technik kann das ermöglichen. Es geht also um Beziehung sein und in Beziehung stehen. Digitale Technik ist daher kein Selbstzweck, sondern dient dem höheren Interesse, Kontakt herzustellen und dabei das eigene Selbst zu formen.“

„Sehe, sehr wichtig“ sagte ich eingangs, weil die Ergebnisse der Untersuchung neue Perspektiven für die Religionspädagogik fordern und diese eröffnen. In dem Maße, wie Digitalisierung zum Querschnittsthema religiöser Bildungsprozesse ist und immer mehr wird, stellt sich die Frage nach der religionspädagogischen Verantwortung. Die Studie plädiert für eine techniksensibel-informierte Religionspädagogik in postdigitalen Zeiten. Sie ist deshalb für Lehrende und Lernende im Feld der (Religions-)Pädagogik ein Muss.

Zum Schluss eine mir immer wichtiger werdende Sache: Ulrike Bittners Dissertation „Und wenn sich die Lebenssituation ändert. Eine Untersuchung der evangelischen Kirche als Gemeinschaft unter den Bedingungen postmoderner Mobilität“ erschien in 2016.

Drei Jahre später dann „Gesucht und gefunden. Wie Gemeinde zum Zuhause wird“. Das theologisch und sprachlich einfachere Werk kommt einem wie eine Volksausgabe der Dissertation vor. Sei´s wie es sei. Es wäre wünschenswert, dass jede gute und wichtige Dissertation von einer Volksausgabe begleitet wird. (gm)

Julia E. Marburger
Herstellungsprozesse des Selbst von Jugendlichen in der Postdigitalität

2026
gebunden
366 S.
108,-- €

eva

NEWSletter

... hier!

theology.de bei

... Facebook
... Twitter

Monatsrätsel

Seit 18.10.1999

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden. Klicken Sie auf Einstellungen für weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren.

Einstellungen