Müller, Jannik: Mein Gott, warum mache ich das?

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Müller, Jannik: Mein Gott, warum mache ich das?

Manchmal führt die Suche nach Sinn nicht in ein Kloster, auf einen Pilgerweg oder in ein stilles Seminarhaus. Manchmal beginnt sie mit nassen Laufschuhen, Muskelkater und der Entscheidung, sich für einen Triathlon anzumelden. Jannik Müller erzählt in „Mein Gott, warum mache ich das?“ von einer solchen Suche – ehrlich, selbstironisch und nah an den Fragen vieler Menschen seiner Generation.

Der junge Pastor steht an einem Punkt, an dem vieles möglich scheint und gerade deshalb Orientierung fehlt. Wer will ich sein? Was soll aus meinem Leben werden? Reicht es, sich Ziele zu setzen, Leistung zu bringen und immer weiter an sich zu arbeiten? Oder braucht es etwas, das tiefer trägt? Der Triathlon wird für Müller zu einem Weg, auf dem sich diese Fragen nicht theoretisch, sondern ganz körperlich stellen.

Das macht den Reiz des Buches aus. Training, Erschöpfung, Euphorie und Rückschläge bleiben nicht bloß sportliche Erfahrungen. Sie werden zum Spiegel des eigenen Lebens. Wer läuft, schwimmt und Rad fährt, begegnet Grenzen, Selbstzweifeln, Ehrgeiz und der Versuchung, sich über Leistung zu definieren. Zugleich kann Bewegung den Blick öffnen: für Dankbarkeit, für die Schönheit des Augenblicks und für die Erfahrung, dass man nicht alles kontrollieren muss.

Müller schreibt nicht als Sportguru und auch nicht als Pastor mit fertigen Antworten. Er erzählt von Zweifeln, Entscheidungen und Brüchen. Gerade dadurch wirkt das Buch glaubwürdig. Die Frage nach Gott wird nicht über den Alltag gelegt wie eine fromme Folie. Sie wächst aus dem Leben selbst: aus der Suche nach Richtung, aus dem Umgang mit Unsicherheit und aus der Sehnsucht nach einem Ziel, das mehr ist als eine gute Zeit im Wettkampf.

Der Triathlon erscheint dabei als eine moderne Form des Pilgerns. Nicht weil Sport automatisch spirituell wäre, sondern weil lange Wege Menschen verändern können. Wer sich auf eine Strecke einlässt, lernt Geduld. Wer nicht aufgibt, obwohl die Kräfte schwinden, entdeckt etwas über Hingabe. Und wer ein Ziel erreicht, merkt vielleicht, dass das Eigentliche nicht erst an der Ziellinie beginnt.

Das Buch spricht auch Menschen an, die mit Triathlon wenig anfangen können. Es geht nicht um Trainingspläne oder sportliche Höchstleistung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen ihr Leben führen wollen. Viele kennen den Druck, sich entscheiden, optimieren und verwirklichen zu müssen. Müller zeigt, dass Glaube in dieser Situation nicht zusätzlichen Druck erzeugen muss. Er kann helfen, das eigene Leben nicht nur als Projekt zu begreifen, sondern als Geschenk und Aufgabe.

Dabei bleibt der Ton angenehm unprätentiös. Müller verbindet persönliche Beobachtungen mit geistlichen Gedanken, ohne in fromme Floskeln zu geraten. Seine Sprache sucht die Nähe zum Alltag und nimmt zugleich die großen Fragen ernst. Das macht den Band besonders geeignet für jüngere Leserinnen und Leser, für sportlich Interessierte und für Menschen, die kirchliche Sprache manchmal eher aus der Distanz wahrnehmen.

Für Seelsorge, Jugendarbeit und moderne Glaubenskommunikation bietet das Buch einige gute Anknüpfungspunkte. Es zeigt, dass sich über Glauben auch dort sprechen lässt, wo man zunächst nicht danach sucht: beim Training, beim Scheitern, beim Neuanfang und im Ringen um die eigene Richtung. Gerade solche Zugänge können helfen, alte Worte neu hörbar zu machen.

So ist „Mein Gott, warum mache ich das?“ ein persönliches, leichtfüßiges und zugleich nachdenkliches Buch über Sport, Sinn und Glauben. Jannik Müller erzählt von einem Weg, der nicht nur auf ein Ziel zuläuft. Er zeigt, dass die entscheidenden Fragen oft unterwegs auftauchen – zwischen Anstrengung, Zweifel und der überraschenden Erfahrung, dass man getragen sein kann.

Jannik Müller
Mein Gott, warum mache ich das?
Meine Sinnsuche. Ein Buch für Triathleten und alle, die auf keinen Fall einer werden wollen

192 S.
978-3-451-03661-3
20,00 €

Verlag Herder

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