Mit Paulus auf virtueller Reise, 21.8.-1.11.2026
Mit Paulus auf virtueller Reise, 21.8.-1.11.2026
Das Bibelhaus Frankfurt verbindet antike Münzen, biblische Geschichte und Virtual Reality
Der Apostel Paulus war unterwegs. Seine Briefe erzählen von Gemeinden, Reisen, Konflikten, Hoffnung, Glauben und Geld. Wer Paulus verstehen will, muss darum nicht nur seine Theologie lesen, sondern auch die Welt vor Augen haben, in der er lebte: Städte, Handelswege, politische Macht, religiöse Vielfalt, soziale Spannungen – und die Münzen, mit denen Menschen zahlten, spendeten, arbeiteten und ihren Alltag organisierten.
Genau hier setzt die neue Ausstellung „VR Reise mit Paulus – Münzen aus aller Welt vor 2000 Jahren“ im Bibelhaus ErlebnisMuseum Frankfurt an. Vom 21. August bis 1. November 2026 lädt sie zu einer virtuellen Entdeckungsreise in die Welt des Apostels Paulus ein. Im Mittelpunkt stehen antike Münzen aus dem Mittelmeerraum, die mithilfe moderner Virtual-Reality-Technologie plastisch erfahrbar werden.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen. Der Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ und die Klassische Archäologie haben eine digitale Ausstellung mit hochauflösenden 3D-Scans von Münzen entwickelt, die zur Zeit des Paulus im Umlauf waren. Besucherinnen und Besucher können so ein eigens für die Ausstellung geschaffenes virtuelles Museum erkunden.
Das Besondere: Die Münzen bleiben nicht stumme Museumsstücke hinter Glas. Durch VR-Brillen, interaktive Begegnungen mit Avataren und detailreiche 3D-Modelle werden sie zu Zugängen in eine vergangene Welt. Man kann erfahren, welche Rolle Geld im Umfeld des Paulus spielte: bei seiner Spendenaktion für die Gemeinde in Jerusalem, bei seinem Lebensunterhalt als Zeltmacher, aber auch in den Konflikten mit der lokalen Bevölkerung und staatlichen Autoritäten, von denen die Apostelgeschichte berichtet.
Das Bibelhaus selbst beschreibt die Ausstellung als Reise an die Stätten des Apostels Paulus. Neun antike Münzen des Mittelmeerraums führen zu Orten, die mit Paulus und seinen Gemeinden verbunden sind. In kleinen spielerischen Aufgaben, den sogenannten „Minigames“, können Besucherinnen und Besucher Abenteuer bestehen und die antike Welt nicht nur betrachten, sondern aktiv erkunden.
Für theology.de ist dieses Projekt aus mehreren Gründen interessant. Es zeigt, wie digitale Technik helfen kann, biblische Geschichte anschaulich zu machen. Paulus wird nicht zu einer entrückten Gestalt aus einem fernen Lehrbuch. Er erscheint als Mensch in einer konkreten Welt: unterwegs zwischen Städten und Kulturen, abhängig von Geld, Arbeit, Gastfreundschaft und politischen Rahmenbedingungen. Seine Theologie entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern mitten in den Spannungen seiner Zeit.
Gerade die Münzen sind dabei mehr als archäologische Kleinfunde. Sie erzählen von Macht, Wirtschaft, Religion und öffentlicher Selbstdarstellung. Münzen tragen Bilder, Namen, Herrschaftsansprüche. Sie gingen durch unzählige Hände. Wer sie betrachtet, sieht etwas von der Welt, in der auch die ersten christlichen Gemeinden lebten. So wird verständlich, warum Paulus über Gaben, Sammlung, Armut, Reichtum, Freiheit und Verantwortung schreibt.
Zugleich macht die Ausstellung deutlich, wie fruchtbar die Zusammenarbeit von Museum, Theologie, Archäologie und digitalen Geisteswissenschaften sein kann. Virtual Reality ersetzt nicht das Lesen der biblischen Texte. Aber sie kann einen neuen Zugang eröffnen: sinnlich, spielerisch, forschend und nah an den Lebenswelten der Antike.
Für Gemeinden, Schulklassen, Konfirmandengruppen, Studierende und alle Bibelinteressierten kann die Ausstellung ein guter Anlass sein, Paulus neu zu entdecken. Wer bisher vor allem den streitbaren Theologen und Briefeschreiber im Blick hatte, begegnet hier auch dem Reisenden, Sammler, Handwerker und Gemeindegründer. Aus antiken Münzen wird ein Fenster in die Welt des Neuen Testaments.