SKURRILES: Wenn Tiger, Luchse und Bären zum Gottesdienst einladen

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SKURRILES: Wenn Tiger, Luchse und Bären zum Gottesdienst einladen

Ein Gottesdienst im Zoo klingt zunächst nach liturgischem Ausflug mit erhöhtem Brüll-Risiko. In Duisburg wurde genau das gewagt: Katholische Stadtkirche, evangelische Kirche und Zoo luden am 26. September 2026 erstmals zu einem ökumenischen Gottesdienst „zwischen Tigern, Luchsen und Bären“ ein. Treffpunkt: der Tigerturm. Motto: „Viele Tiere – viele Menschen – eine bunte Welt.“

Damit war die Predigtkulisse schon gesetzt. Wo sonst Eltern erklären, warum man die Hand besser nicht durch den Zaun steckt, wurde gesungen, gebetet und über Gottes Schöpfung gestaunt. Ob die Tiger das Kyrie eher würdevoll oder gelangweilt begleiteten, ist nicht überliefert. Liturgische Zwischenrufe aus dem Gehege blieben offenbar im Rahmen.

So kurios der Ort wirkt, theologisch liegt er näher, als man meint. Die Bibel ist voller Tiere: Die Schlange bringt die Menschen aus der Fassung, der Rabe sucht Land, die Taube bringt Hoffnung, Bileams Esel sieht mehr als sein Herr, der Löwe wird Bild der Macht, das Lamm Bild der Hingabe. Und Noah hätte ohne Tiere kaum eine Arche gebraucht. Der Zoo-Gottesdienst nimmt diese alte biblische Nachbarschaft ernst. Die Schöpfung ist nicht bloße Kulisse für menschliche Frömmigkeit. Sie ist Mitwelt. Sie atmet, ruft, brüllt, flattert, schleicht und erinnert daran, dass Gottes Welt größer ist als unser Kirchenraum.

Vielleicht braucht Kirche solche Ortswechsel: raus aus der vertrauten Akustik, hinein in eine Welt, die sich nicht fromm benimmt, aber Gottes Handschrift trägt. Zwischen Tigeranlage und Zooweg wird deutlich: Wer vom Schöpfer spricht, sollte seine Geschöpfe nicht nur als Beispiel in der Predigt erwähnen. Manchmal sitzt die Gemeinde eben nicht nur in den Bänken. Manchmal schaut sie aus dem Gehege zurück.

Quelle: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg / Zoo Duisburg.

September 2026

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