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Lutherdekade

Lutherdekade in Wittenberg eröffnet

Die EKD hat am 21. September 2008 in Wittenberg die Lutherdekade gestartet. Am Gottesdienst in der Schlosskirche und an einer Festversammlung am Sonntag haben der EKD-Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer teilgenommen. Bis zum Jahr 2017 will die evangelische Kirche mit der Lutherdekade an die epochale Bedeutung und Wirkung der Reformation erinnern. Die Dekade endet am 31. Oktober 2017, dem 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Reformation und Ausgangspunkt der Gründung evangelischer Kirchen. Weltweit sehen rund 400 Millionen Protestanten in dem Wittenberger Thesenanschlag und seinen historischen Folgen ihre geistlichen und konfessionellen Wurzeln. Bei der Eröffnungsveranstaltung hielt der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mark Hanson (USA) die Predigt. In dem Gottesdienst wurde auch der Beauftragte der EKD für das Reformationsjubiläum, Stephan Dorgerloh, offiziell in sein Amt eingeführt.

Die Lutherdekade solle eine „Dekade der Freiheit“ sein.

Heute zeige sich aufs Neue, wie sehr Menschen in aller Welt sich nach der Freiheit von Not und Angst sehnen, so der Ratsvorsitzende. „In einer Zeit, in der eine globale wirtschaftliche Dynamik die Verarmung großer Bevölkerungsschichten nicht etwa aufhält, sondern beschleunigt, bekommt die Frage nach der Freiheit von Armut und Not erneute Dringlichkeit.“ Angesichts von weltweit agierendem Terrorismus und irregulärer Kriege werde Furcht zu einem Alltagsthema. Zugleich spürten die Menschen, dass materielle Sicherungen allein weder Frieden noch wirklichen Wohlstand bringen. Das wiedererwachte Interesse an Religion führe aber nicht allein zu einer neuen Aufmerksamkeit für die Botschaft des Evangeliums, sondern auch zu vielen Varianten einer „marktgängigen Religiösität“, die mit einfachen Antworten den Sinn des Lebens zu beschreiben suchten. Martin Luther habe sich, anders als diese „Schwarz-Weiß-Bilder“, nicht über die Rätsel und Ausweglosigkeiten des Lebens hinweggesetzt. „Zu der Freiheit, die er lehrte, gehörte auch die Bereitschaft, der Anfechtung standzuhalten, und die Verborgenheit Gottes nicht zu übertünchen oder zu übertönen.“ In seiner Erkenntnis, dass alle gute christliche Theologie eine Theologie des Kreuzes sei, liege ein wichtiges Gegengewicht zum Fortschrittsoptimismus der Moderne.

Luther hatte ein nüchternes Bild vom Menschen. „Er pries die im Glauben geschenkte Freiheit deshalb so hoch, weil er davon überzeugt war, dass der Mensch von sich aus unfrei ist, ein Gefangner der Sünde, auf sich selbst fixiert, ein in sich verkrümmtes Wesen.“ Deshalb sei die Lutherdekade auch kein „Jubeljahrzehnt“, sagte Huber. Auch die Schatten und Grenzen der Person Luthers, sein „mitunter polemischer Charakter, seine ambivalente Rolle in den Bauernkriegen, seine beschämenden Aussagen zu den Juden und sein Kommentar zu den Expansionsbestrebungen des Osmanischen Reichs“ dürften bei Gedenkveranstaltungen nicht ausgespart werden.

Die Zusage der Freiheit, die Luther im Glauben fand, bewahre die Menschen aber auch davor, in ihrer egoistischen Verkrümmung zu verharren. „Gerade weil Gott jedem Menschen den aufrechten Gang schenkt, kann jeder Mensch die Knie beugen: zum Gebet zu Gott wie zum Einsatz für den Nächsten.“

In der reformatorischen Tradition sei ebenso die Bildung eine Folge der christlichen Freiheit. Die Reformation habe sich in die christliche Bildungsgeschichte eingezeichnet: „Europa in seiner durch Antike und Christentum geprägten Gestalt und eine Bildung, die diese Gestalt erschließt, gehören zusammen. ‚Beste Bildung für alle’ ist der Impuls der Reformation. ’Beste Bildung für alle’, ob Migranten- oder Einzelkind, ob mit Behinderungen oder hochbegabt – das ist die Herausforderung unserer Zeit.“ Bildungschancen dürften nicht nach der sozialen Herkunft verteilt werden, „überkommene Strukturen dürfen den freien Zugang zur ‚besten Bildung für alle’ nicht behindern.“

Der Ratsvorsitzende betonte, dass es nicht Luthers Absicht war, eine neue Kirche zu gründen. Zur Trennung der Konfessionen hätten vielfältige, darunter auch ganz weltliche Faktoren beigetragen. „Sie ist aus dem Handeln und Unterlassen aller Beteiligten entstanden.“ Ein wichtiger Prüfstein für die Fortschritte in der Ökumene sei es, „ob wir von den Ursachen und Wirkungen der Reformation heute ein gemeinsames Bild haben und dieses Bild auch gemeinsam formulieren können.“ Wenn es gelinge, das Bemühen um ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigungslehre in dieser Hinsicht fortzusetzen, dann „besteht die Aussicht, dass das Reformationsjubiläum 2017 wirklich zu einem ökumenischen Ereignis wird.“ Die evangelische Kirche wolle diesen Weg ebenso mit der römisch-katholischen Kirche wie mit anderen christlichen Kirchen gemeinsam gehen.

Festvortrag des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, in Wittenberg

Predigt des Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mark S. Hanson, in Wittenberg


Sonderseiten zu Luther 2017.

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Beichtgeheimnis darf nicht angetastet werden Kirche im Aufbruch