Niklaus von Flüe – Bruder Klaus

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Niklaus von Flüe – Bruder Klaus

Einsiedler, Mystiker, Friedensstifter und Schweizer Nationalheiliger

Niklaus von Flüe, auch Nikolaus von der Flüe oder Bruder Klaus genannt, gehört zu den eindrucksvollsten Gestalten der spätmittelalterlichen Frömmigkeitsgeschichte. Er wurde 1417 im Flüeli bei Sachseln im heutigen Kanton Obwalden geboren und starb am 21. März 1487 im Ranft, nur unweit seiner Heimat. Die katholische Kirche feiert seinen Gedenktag am 25. September.

Sein Leben lässt sich nicht auf eine einfache Formel bringen. Bruder Klaus war Bauer, Ehemann, Vater von zehn Kindern, Soldat, Ratsherr, Richter, Einsiedler, Mystiker und politischer Ratgeber. Gerade diese Spannungen machen ihn bis heute bemerkenswert. Er war kein Heiliger außerhalb der Welt, sondern ein Mensch, der die Welt kannte: Familie, Arbeit, Verantwortung, politische Konflikte, Schuld, Macht und die Sehnsucht nach Gott.

Niklaus stammte aus einer wohlhabenden Bauernfamilie. Um 1447 heiratete er Dorothee Wyss, eine Ratsherrentochter aus der Gegend von Sarnen. Mit ihr hatte er fünf Töchter und fünf Söhne. Gemeinsam bewirtschafteten sie den Hof „Schiblochmatte“ in Flüeli-Ranft. Er bekleidete öffentliche Ämter und galt als Mann mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Quellen nennen ihn als Richter, Ratsherr und Vertreter Obwaldens in politischen Zusammenhängen.

Zugleich wuchs in ihm offenbar schon früh eine starke religiöse Unruhe. Das Gebet, die Meditation des Leidens Christi und die Suche nach Gottes Willen prägten ihn immer stärker. Um 1465 legte er seine Ämter nieder. Zwei Jahre später, am 16. Oktober 1467, verließ er im Alter von 50 Jahren seine Familie, um als Pilger und Einsiedler zu leben. Die Quellen betonen, dass dies mit dem Einverständnis seiner Frau Dorothee Wyss und der ältesten Söhne geschah. Dennoch bleibt dieser Schritt auch heute schwer zu verstehen: Dorothee blieb mit den Kindern zurück, das jüngste war erst wenige Monate alt.

Gerade deshalb gehört Dorothee Wyss unbedingt zur Geschichte von Bruder Klaus. Sie war nicht bloß Randfigur einer Heiligenbiografie. Ohne ihr Einverständnis und ihre Stärke ist der Weg des Niklaus nicht angemessen zu verstehen. Der Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss würdigt sie ausdrücklich als bedeutende Gestalt; Papst Johannes Paul II. bezeichnete sie 1984 als „heiligmässige Frau“.

Niklaus wollte zunächst in die Fremde ziehen, kehrte aber bereits bei Liestal um und ließ sich schließlich im Ranft nieder. Dort lebte er etwa zwanzig Jahre als Einsiedler: betend, fastend, nachdenkend, suchend. Menschen aus nah und fern kamen zu ihm, um Rat zu suchen. Die Überlieferung berichtet, er habe in dieser Zeit keine Nahrung zu sich genommen außer der Eucharistie; historisch und theologisch ist hier eine vorsichtige Sprache angebracht. Wichtig ist nicht der sensationelle Aspekt, sondern die spirituelle Konzentration seines Lebens. Bruder Klaus wurde im Ranft zu einem Menschen, der durch Stille, Gebet und geistliche Klarheit andere stärkte.

Seine bleibende politische Bedeutung hängt vor allem mit dem Stanser Verkommnis von 1481 zusammen. Damals stand die Eidgenossenschaft nach den Burgunderkriegen vor einer gefährlichen inneren Krise. Städte und Landorte waren zerstritten; ein bewaffneter Konflikt drohte. Der Rat des Einsiedlers aus dem Ranft, überbracht durch den Stanser Pfarrer Heinrich am Grund, trug dazu bei, die festgefahrenen Verhandlungen wieder zu öffnen. Die genaue Formulierung seines Rates ist nicht überliefert. Überliefert ist jedoch, dass sein Wort als entscheidender Friedensimpuls verstanden wurde.

Damit wurde Bruder Klaus zur Friedensgestalt. Einer seiner bekanntesten Sätze lautet: „Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried.“ Dieser Satz ist mehr als fromme Innerlichkeit. Er verbindet Gottesbeziehung und politische Verantwortung. Wer Frieden sucht, sucht nicht nur Kompromisse, sondern auch eine Haltung: Ehrlichkeit, Maß, Demut, Verzicht auf Machtgier und Bereitschaft zur Versöhnung.

Nach seinem Tod am 21. März 1487 wurde Bruder Klaus in der Pfarrkirche Sachseln beigesetzt. Die Verehrung setzte früh ein. 1669 wurde er seliggesprochen, 1947 durch Papst Pius XII. heiliggesprochen. Heute gilt er als Patron der Schweiz und des Kantons Obwalden; außerdem wird er unter anderem von der Katholischen Landvolkbewegung und der Katholischen Landjugendbewegung verehrt.

Sein Gedenktag am 25. September erinnert nicht nur an eine historische Person. Er lädt dazu ein, über Frieden, Berufung, Familie, Gewissen und die Grenzen politischer Macht nachzudenken. katholisch.de weist darauf hin, dass der Gedenktag auf den 25. September gelegt wurde, obwohl Bruder Klaus am 21. März starb, um eine Kollision mit dem Gedenktag Benedikts von Nursia zu vermeiden.

Auch evangelisch gelesen bleibt Bruder Klaus interessant. Er ist eine katholische Heiligengestalt, aber sein Zeugnis überschreitet konfessionelle Grenzen. Schon in der Reformationszeit wurde er unterschiedlich gedeutet; zugleich blieb er vielen Schweizer Christinnen und Christen als Friedensmann, Gottsucher und Mahner zur Bescheidenheit wichtig. Seine Bedeutung liegt nicht in konfessioneller Vereinnahmung, sondern in der Frage, wie ein Mensch vor Gott wahrhaftig wird – und wie aus geistlicher Sammlung Verantwortung für die Welt wächst.

Das bekannteste Gebet, das mit Bruder Klaus verbunden ist, fasst seine Spiritualität in großer Schlichtheit zusammen:

„Mein Herr und mein Gott,
nimm alles mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.“

Dieses Gebet zeigt die innere Richtung seines Lebens. Es geht nicht um Weltflucht aus Bequemlichkeit, sondern um radikale Gottesbezogenheit. Zugleich bleibt die Biografie von Bruder Klaus eine Zumutung. Sie entlastet nicht von Fragen an Ehe, Familie und Verantwortung. Gerade deshalb ist sie geistlich ernst zu nehmen. Heilige sind keine glatten Vorbilder. Sie sind Menschen, an denen sich zeigt, wie geheimnisvoll, widersprüchlich und fordernd Gottes Ruf sein kann.

Bruder Klaus steht bis heute für eine Spiritualität, die Stille und Frieden verbindet. Er mahnt dazu, nicht jedes Problem mit Lautstärke zu lösen, nicht jede Krise mit Macht, nicht jede Unsicherheit mit Gewalt. Wer im Ranft an Bruder Klaus denkt, begegnet einem Menschen, der sich selbst zurücknahm und gerade dadurch für andere zum Ratgeber wurde.

Am 25. September erinnert sein Gedenktag daran: Frieden beginnt nicht erst in Verträgen und Verhandlungen. Er beginnt im Herzen, im Gebet, im Ringen um Wahrheit – und er muss dann konkret werden: im Umgang mit Menschen, in Politik, Kirche und Gesellschaft.

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